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Sonderforschungsbereich 640: Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel
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Gewalträume - Wege und Auswege (Tagung)

 

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Informationen
Titel
Gewalträume - Wege und Auswege (Tagung)
Termin
10. - 11.12.10
Ort
Auditorium des Grimmzentrums, Geschwister-Scholl-Straße 3, 10117 Berlin
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Tagung der AG Gewalt

Gewalt ist eine Möglichkeit für Jedermann. Menschen müssen nicht töten, aber sie können es jederzeit. Es ist die Vorstellungskraft, die jede Grausamkeit möglich macht. Wenn sich Möglichkeiten eröffnen, wird es immer Menschen geben, die die Faust und  nicht das Argument sprechen lassen. Im Krieg, im Ausnahmezustand, in Lagern und Gefängnissen ist die Versuchung groß, dass die Gewalt außer Kontrolle gerät. Wolfgang Sofsky hat deshalb davor gewarnt, Gewalt nur mit gesellschaftlichen Ursachen und Motiven in Verbindung zu bringen. Wer nur über Ursachen spricht, die der Gewalt vorausliegen, wird nicht verstehen, was die Gewalt mit Tätern und Opfern macht.

Denn wenn die Gewalt erst einmal ausgebrochen ist, gehorcht sie einer Dynamik, die Täter, Opfer und Zuschauer nicht mehr unter ihrer Kontrolle haben. Wenn niemand imstande ist, die Gewalt zu beenden, müssen sich alle Beteiligten auf sie einstellen und ihr Leben so verändern, dass es nur noch eine Antwort auf die Gewalt ist. Man muss also nach den Ermöglichungsräumen der Gewalt, nicht nach Motiven oder gesellschaftlichen Ursachen fragen, wenn man verstehen will, was geschieht. Historiker und Soziologen haben nur nach dem Beginn der Gewalt gefragt, sich aber kaum um die Frage gekümmert, unter welchen Umständen die Gewalt endet, wie man wieder aus ihr herausfindet und wie man verhindern kann, dass sie erneut ausbricht. Es gibt nicht nur Ermöglichungsräume, sondern auch Ausstiegs,- Präventions- und Therapieräume. Wäre es nicht so – der Mensch müsste für immer mit der Gewalt leben. 

Menschliches Handeln vollzieht sich in sozialen Räumen, unter vorgefundenen Bedingungen, die darüber entscheiden, welche Möglichkeiten Menschen haben und welche Grenzen ihnen gesetzt sind. Zugleich verändern sich diese Räume durch das Handeln. Der Raum ist eine analytische Kategorie, mit der sich die vielseitige Dynamik sozialen Handelns erfassen lässt. Die Tagung soll Wissenschaftler verschiedener Disziplinen zusammenführen, damit sie sich über die Tragfähigkeit dieses Konzepts verständigen.

 

 

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