B3: Malaysia
Repräsentation von Melayu in Kontexten von Krisen
Der Begriff Melayu (malayisch, Malaye/in) hat mehrere Bedeutungen. Er bezieht sich sowohl auf ein kulturell vielfältiges Volk, eine Sprache und einen kulturellen Raum, der in seiner Geschichte eine Vielzahl ethnischer Gruppen aus unterschiedlichen Teilen der Welt einschloss. Während Melayu einst mit einer kulturell fließenden malaiischen Welt assoziiert wurde, die sich über den gesamten islamischen Raum Südostasiens erstreckt, wird der Begriff heute vornehmlich mit seiner rassifizierten Verwendung im Nationalstaat Malaysia in Verbindung gebracht. Gleichwohl finden sich auch in Indonesien, Südostasien und im Gebiet des Indischen Ozeans Menschen, die sich selbst als malaiisch verstehen. Melayu bietet daher ein fruchtbares Untersuchungsfeld für das Studium von Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel.
Das Forschungsprojekt baut auf früheren Untersuchungen der Repräsentationen von Melayu als diskursivem Feld auf. Dabei wurde Melayu in vier Topoi oder sites of the imaginary verortet: Dorf, Moschee, Palast und Markt. Der Charakter und die Grenzen werden so immer neu verhandelt.
In der zweiten Laufzeit wird die Interaktion zwischen als malaiisch markierten und anderen ethnischen Gruppen im Kontext von Krisen untersucht. Das Hauptforschungsgebiet ist Malaysia, jedoch eingebettet in einen globalen Kontext. Es werden Methoden der Geschichts- und Kulturwissenschaft verwendet, die Archivrecherchen und Feldforschung einschließen. Die Forschungsarbeit orientiert sich an zwei miteinander verknüpften Schwerpunkten.
Repräsentationen, Krisen und soziale Ordnung
Zentral für diesen Schwerpunkt ist die Beschaffenheit von Melayu im Verhältnis zum ethnischen Anderen. Die zugrunde liegende Annahme ist, dass eine Balance zwischen Repräsentationen und sozialer Ordnung gegeben sein muss, um Stabilität zu gewährleisten. Krisen treten auf, wenn es eine Inkongruenz in unterschiedlichen Dimensionen des Othering gibt (der räumlichen, institutionellen, ideologischen und religiösen). Leitfragen sind dabei:
- Welche Rolle spielt Othering in der Konstituierung und Rekonstituierung von Melayu und für die Entstehung und Stabilität der sozialen Ordnung in Malaysia?
- Was können wir aus Krisen über die Akteure und Aushandlungsprozesse lernen, die Repräsentationen sozialer Ordnung formen?
Durch die Analyse bestimmter historischer Krisen im Malaysia der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zielt diese Untersuchungsrichtung darauf ab, ein tieferes Verständnis für die Funktionsweise von Repräsentationen in der sozialen Ordnung zu schaffen.
Kulturelle Diversität und ihre Repräsentationen
Dieser Schwerpunkt widmet sich der kulturellen Vielfalt Malaysias in Anbetracht der starken Rassifizierung des öffentlichen Lebens. Der historisch fließende kulturelle Charakter der malaiischen Welt wurde vom kolonialen wie auch vom unabhängigen Staat in rassische Begriffe eingefasst. So wird die ethnische Vielfalt des Landes offiziell gefeiert, jedoch werden dabei die Grenzen zwischen den Kategorien malayisch, chinesisch, indisch oder ,anders‘ aufrecht erhalten. Dennoch bringen sowohl transnationale als auch lokale Kulturpolitik signifikante Gegenentwürfe zu dieser Kategorisierung hervor. Die Hauptfragen hierzu umfassen:
- Wie wurde und wird kulturelle Vielfalt in Malaysia repräsentiert und mit welchen Folgen?
- Welche Form und Bedeutung hat die Politik der kulturellen Vielfalt Malaysias im globalen Kontext?
Durch die Hinterfragung von Kategorien und Artikulationen von Gegenentwürfen in der Kulturpolitik Malaysias bietet dieser Forschungsschwerpunkt ein Erkenntnisinstrument zum tieferen Verständnis kultureller Vielfalt.
SFB-Publikationen von Mitgliedern dieses Teilprojekts
- Vincent Houben, Mona Schrempf (Hg): Figurations of Modernity. Global and Local Representations in Comparative Perspective. Campus, 2008. (mehr)
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