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Sonderforschungsbereich 640: Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel
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B2: Afrikanische Moderne

Politische Repräsentation in transnationalen Räumen afrikanischer Moderne

B2: Afrikanische Moderne

Die Frage nach den Impulsen für den Zerfall der europäischen Kolonialreiche nach dem Zweiten Weltkrieg ist eng mit der Rolle der spätkolonialen Eliten verbunden. Im Fokus dieses Projektes stehen die Lebens- und Repräsentationswelten der urbanen Eliten in Zentral- und Westafrika in der Übergangsphase von der spätkolonialen Ära in die Dekolonisation. Diese Periode war von rapidem sozialem und politischem Wandel geprägt. Wie suchten die Akteure diesen Wandel zu fassen, und wie entwickelten sich neue politische Handlungsräume und Repräsentationen? Die Kommunikation zwischen afrikanischen Eliten und europäischen Kolonialherren wandelte sich, beide Seiten standen in einem freilich hierarchischen Dialog miteinander. Hier kam es zu diversen Austauschprozessen; es entstand eine politische Dynamik, die zum Dekolonisationsprozess beitrug. Diese soll mit einem transregionalen und auch transkontinentalen Blick betrachtet werden. Afrikanische Moderne wird hier als eine Auseinandersetzung afrikanischer Gesellschaften mit dem Wandel infolge des europäischen Kolonialismus verstanden und in zwei Projekten untersucht: als Adaption europäischer Konsumwelten sowie als lokale Lesart metropolitaner Diskurse. Die zentrale Quellengrundlage bilden Zeitschriften, die ungefähr zwischen 1945 und 1960 für und teils auch von afrikanischen Eliten gemacht und in Afrika verbreitet wurden.

Elitendiskurse und Lebenswelten im Wandel

In den 1940er Jahren entstanden von den spätkolonialen Eliten betriebene Zeitschriften und Klubs. Wir untersuchen diese Genese öffentlicher Räume in den belgischen Kolonien Kongo, Ruanda und Burundi sowie in der britischen Kolonie Goldküste (Ghana). Die Vereine und Zeitschriften ermöglichten in bis dahin nicht erlebtem Ausmaß eine Neuverhandlung von Identitäten in dem sich rapide wandelnden kolonialen System: es waren Labore von Repräsentationswelten und Orte kultureller und sozialer Utopie. Innerhalb weniger Jahre wandelten sich diese Eliten von den Stützen kolonialer Herrschaft zu ihren Grabträgern. Die Vereine und Zeitschriften waren, so die These, ein wichtiges Moment für die Entstehung von afrikanischen Zivilgesellschaften. In ihnen konnte Dekolonisierung als Diskurs formuliert und als kulturelle Praxis erfahren werden.

Konsum und Moderne

Für denselben Raum wird die kommerzielle Werbung in Zeitungen und Zeitschriften untersucht, die sich an die urbanen, spätkolonialen Eliten in Afrika richtete. Hat sich der politische Wandel kolonialer Gesellschaften in den Werbebotschaften niedergeschlagen? Wie haben sich die Akteure – die europäischen Werbefachleute und die afrikanischen Konsumenten – dabei gegenseitig wahrgenommen? Neu an der kolonialen Werbung war, dass es in ihr nicht mehr nur um die Beziehung zwischen Kolonisierten und Kolonisierenden ging, sondern auch um eine zwischen Produzenten und Konsumenten. Beworben wurde ein in seinem Habitus, seiner Arbeits- und Lebenswelt ‚moderner’ Afrikaner. Es scheint eine enge Verbindung von afrikanischen Elitendiskursen und den Werbebotschaften gegeben zu haben. Die Aneignung einer europäischen Konsumwelt, so die These, war Prozess der lokalen Aneignung von Moderne und ein wichtiger Bestandteil des Identitätsbildungsprozesses dieser Eliten.






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