A8: Internationale Organisationen
Repräsentationen von Staatlichkeit und neuen Staatengemeinschaften in internationalen Organisationen seit dem Zweiten Weltkrieg: OAU und UNESCO im Vergleich
Das Projekt fragt nach den Repräsentationen einer zunehmend vernetzten Welt und nach den dazugehörigen sozialen Ordnungen. Es untersucht mit der OAU und der UNESCO zwei Staatengemeinschaften, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Es soll dabei erstens um die Spezifika der Repräsentation von Staaten und Gesellschaften im intertemporalen und interkulturellen Vergleich gehen, zweitens um die Eigendynamik der Institutionenbildung und die zusehends möglicher werdende Ablösung von der Repräsentation der entsendenden Staaten und Gesellschaften.
Internationale Organisationen, so die Ausgangsthese des Teilprojekts, sind in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu neuen Foren politischen Agierens geworden, zu einer Bühne, die den einzelnen Nationalstaaten neue Formen der Außendarstellung zu erproben erlaubte. Auf einer ersten Analyseebene werden die Repräsentationen der einzelstaatlichen Akteure zu untersuchen sein, wobei besonders die nationalstaatlichen Repräsentationsbedürfnisse und –strategien interessieren. Auf einer zweiten Ebene geht es um die Organisationen selbst und um die von ihnen geschaffene eigene Institutionenkultur. Dabei werden sowohl die Sprache und Symbolik der hier verhandelten Repräsentationen von Staatlichkeit als auch die organisationsgebundenen Repräsentationen einer Gemeinschaft von Staaten bzw. einer imaginierten Weltgemeinschaft zu untersuchen sein. Allerdings begreifen wir die Organisationen nicht etwa nur als die Summe ihrer Mitgliederstaaten und ebenso wenig als für sich alleinstehende isolierte Gebilde. Das Projekt schließt vielmehr die vielfältigen Transferbeziehungen zwischen den unterschiedlichen Organisationen explizit in die Analyse mit ein. So stehen im Fokus einer dritten Analyseebene der Transfer und die Zirkulation der unterschiedlichen Repräsentationselemente, wobei besonders jene Dynamiken des Zusammenspiels genauer zu untersuchen sein werden, die neue Repräsentationen sozialer und politischer Ordnungen hervorzubringen vermögen.
Die Quellengrundlage des Projekts beruht auf gedruckten Materialien (Reden, Deklarationen, den gedruckten Berichten der großen Konferenzen) sowie auf Bild- und Filmmaterial. Der Großteil der relevanten Dokumente ist in den jeweiligen Organisationsarchiven in Paris und Addis Abeba verwahrt.
Das geplante Teilprojekt verbindet zwei Forschungsfelder miteinander: zum einen neuere und ältere Forschungen zu Staat und Staatlichkeit, zum anderen neuere Forschungen zu internationalen Organisationen sowie damit zusammenhängende Forschungsansätze aus dem Bereich der "Internationalen Geschichte". Mit dem Interesse an der Geschichte von Staatlichkeit und Suprastaatlichkeit greift das Projekt einen Forschungsgegenstand der Europäischen Geschichte und der Globalgeschichte modellhaft in seinen engen innereuropäischen wie außereuropäischen Bezügen und Verflechtungen auf. Methodisch geht es bei diesem Vorhaben somit um den expliziten Versuch, Ansätze einer empirisch fundierten Globalgeschichte zu erproben.
SFB-Publikationen von Mitgliedern dieses Teilprojekts
- Iris Schröder: Welt-Räume. Annäherungen an eine Geschichte der Globalität im 20. Jahrhundert. In: Iris Schröder, Sabine Höhler (Hg): Welt-Räume. 2005. S. 9-47 (mehr)
- Michael Pesek: Das Ende eines Kolonialreiches. Ostafrika im Ersten Weltkrieg. Campus, Frankfurt am Main / New York 2010. (mehr)
- Michael Pesek: Praxis und Repräsentation kolonialer Herrschaft: Die Ankunft des Staatssekretärs Dernburg am Hofe Kahigis von Kianja, 1907. In: Susann Baller, Michael Pesek, Ruth Schilling, Ines Stolpe (Hg): Die Ankunft des Anderen. Campus, 2008. S. 199-224 (mehr)
- Michael Pesek: Koloniale Herrschaft in Deutsch-Ostafrika. Expeditionen, Militär und Verwaltung seit 1880. Campus, Frankfurt am Main 2008. (mehr)
- Susann Baller, Michael Pesek, Ruth Schilling, Ines Stolpe (Hg): Die Ankunft des Anderen. Repräsentationen sozialer und politischer Ordnungen in Empfangszeremonien. Campus, 2008. (mehr)
- Susann Baller, Michael Pesek, Ruth Schilling, Ines Stolpe: Einleitung. In: Susann Baller, Michael Pesek, Ruth Schilling, Ines Stolpe (Hg): Die Ankunft des Anderen. Campus, 2008. S. 11-34 (mehr)
- Michael Pesek: Kleiner Mann auf Reisen. Erich Honecker auf Staatsbesuch in Afrika. In: Susann Baller, Michael Pesek, Ruth Schilling, Ines Stolpe (Hg): Die Ankunft des Anderen. Campus, 2008. S. 106-134 (mehr)
- Michael Pesek: Der Koloniale Körper in der Krise. Koloniale Repräsentationen, Ordnung und gewalt während des Ersten Weltkriegs in Ostafrika, 1914-19. In: Jörg Baberowski, David Feest, Maike Lehmann (Hg): Dem Anderen begegnen. Campus, 2009. (im Druck). S. 59-82 (mehr)
- Michael Pesek: Performing the Metropolitan habitus. Images of European modernity in cross-cultural encounters in 19th century Eastern Africa. In: Vincent Houben, Mona Schrempf (Hg): Figurations of Modernity. Campus, 2008. S. 41-66 (mehr)
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