Die Kunst des Reisens. Die Begegnung von europäischen Forschungsreisenden und Ostafrikanern in den Kontaktzonen des 19. Jahrhunderts
Michael Pesek: Die Kunst des Reisens. Die Begegnung von europäischen Forschungsreisenden und Ostafrikanern in den Kontaktzonen des 19. Jahrhunderts.
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Im 19. Jahrhundert sahen viele europäische Reisende ihre Präsenz in Ostafrika als etwas, was weit über ihr privates Schicksal hinausging. Sie konstruierten sich selbst und ihre Expedition als Verkörperung einer nationalen oder europäischen Kultur und Zivilisation. In einem gewissen Sinne produzierte dieses ihnen selbstegebenes Mandat, immer und überall Vertreter Europas oder ihrer Nation zu sein, ein mitunter außergewöhnlich theatrales Verhalten. Mein Vortrag erklärt diese Theatraltität vor dem Hintergrund der Praxis der Reisenden, Produkt ganz spezifischer Situationen, in die sie auf ihrer Reise eingebunden waren. Im Mittelpunkt meines Vortrages werden drei deutsche Reisende stehen: Hermann Wissmann, Paul Reichard und Carl Peters. Sie reisten mit unterschiedlichen Zielen durch den afrikanischen Kontinent. Wissmann und Reichard reisten zu Beginn der 1880iger als Mitglieder verschiedener Expeditionen der deutschen Sektion der Internationalen Afrikanischen Gesellschaft. Wissmann, Reichard und Peters kamen aus der deutschen Mittelklasse, die zu dieser Zeit das Rückgrat der kolonialen Bewegung bildete. Für sie war diese Kultur mit den Errungenschaften in Technologie und Wissenschaft und deren Meisterung durch einen disziplinierten und (aus-) gebildeten Körper verbunden. Die Vorstellungen vom Körper als eine Verkörperung europäischer Moderne bezeichne ich als metropolitanen Habitus.
Die Zelebrierung des metropolitanen Habitus war für die Reisenden von nicht zu unterschätzender Bedeutung, so meine These. Europäische Reisende des 19. Jahrhunderts standen auf ihren Expeditionen vielfach Situationen gegenüber, in denen ihr metropolitaner Habitus bedroht war. Tropische Krankheiten, Nahrungsmittelknappheit und Konflikte mit der lokalen Bevölkerung waren nur drei unter vielen Problemen, mit denen sie fertig werden mussten. Daher beschreibt der Artikel nicht nur die Zelebrierung des metropolitanen Habitus, sondern auch seine Krise.
erschienen in:Kommunikationsräume-Erinnerungsräume. Beiträge zur transkulturellen Begegnung in Afrika. Seite 65 bis 100 |
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