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Sonderforschungsbereich 640: Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel
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Dr. Stefan B. Kirmse


Mitarbeiter im Teilprojekt A4: Zeremonielle Pädagogik
Mitglied der Arbeitsgruppe Identität
Mitglied der Arbeitsgruppe Recht


Kontaktinformationen
Telefon: 2093-4760
Email: stefan.kirmse@staff.hu-berlin.de
Sitz: Mohrenstr. 40/41
Raum: 324

Lebenslauf

Seit 1.September 2008
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin, Sonderforschungsbereich 640, verantwortlich für die Vergleichseinheit Russland im Teilprojekt „Zeremonielle Pädagogik“
2003-2009
The School of Oriental and African Studies (SOAS), Universität London, Promotion (PhD) in Development Studies
2001-2003
St Antony’s College, Universität Oxford, Master of Philosophy (M.Phil.) in Russland- und Osteuropastudien
1999-2000
Gorkij Institut, Moskau (Auslandsjahr; Teil des Bachelorstudiums)
1997-2001
Universität von Dublin, Trinity College, B.A. in European Studies (Hons)

  • Forschungsinteressen

- Russland und Zentralasien vom Zarenreich bis in die Gegenwart: Identifikationen und Identitäten im Wandel

- Muslime in Russland und der ehemaligen Sowjetunion

- Repräsentationen des 'Anderen': 'Modernität', 'Zivilisation' und 'Rückständigkeit'

- Russisches Recht und seine lokale Umsetzung in kulturgeschichtlicher Perspektive

- Jugend und Jugendkulturen, von der Mittleren Wolga bis nach Zentralasien

- Postsowjetische Transformation und kulturelle Globalisierung

 

  • Aktuelle Forschung

Meine Forschung innerhalb des SFB konzentriert sich auf die so genannten „Großen Reformen“, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die ländlich geprägte Gesellschaft Russlands von Grund auf erneuern sollten. Gedacht als Modernisierungsschübe „von oben“, zielten diese Reformen darauf ab, einen „modernen“ Staat nach europäischem Vorbild zu schaffen.

Im Zentrum meiner Arbeit stehen hierbei die Justizreform von 1864 und ihre allmähliche Umsetzung in den folgenden Jahrzehnten. Hierbei untersuche ich vor allem die Versuche, das neue Ethos von Rechtsstaatlichkeit, das den Kern der Justizreform ausmachte, massenwirksam zu vermitteln. Die Reformer sahen in den neu geschaffenen Institutionen – zum Beispiel den Geschworenengerichten und dem nunmehr unabhängigen Anwalts- und Richterstand – Instrumente, um sich einerseits selbst als Aufklärer und als „neue Menschen“ zu präsentieren und um andererseits die bäuerliche Bevölkerung zu rechtsbewussten, „zivilisierten“ Bürgern zu erziehen. Meine Forschung konzentriert sich in diesem Zusammenhang auf zweierlei. Zum einen diskutiere ich die öffentliche Inszenierung des neuen rechtsstaatlichen Ethos als pädagogisches Lehrstück, etwa in Gerichtsprozessen und in den Aktivitäten neu gegründeter juristischer Gesellschaften, die den Universitäten angegliedert waren. Zum anderen werfe ich die Frage auf, warum die Botschaften dieser Inszenierungen in der Bevölkerung zum Teil auf wenig Verständnis stießen.

Einer der Gründe für die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Rechtsreformen lag in der Heterogenität des multireligiösen Russischen Reiches. Dies stellt eine Schnittstelle mit meinem zweiten großen Forschungsfeld dar: dem Verhältnis der muslimischen Bevölkerung Russlands und Zentralasiens zu staatlichen Institutionen, Eliten und nicht muslimischen Bevölkerungsgruppen von der Zarenzeit bis in die Gegenwart.

In meiner Dissertation „Youth in post-Soviet Central Asia: Transition, Globalization and Youth Culture in Southern Kyrgyzstan“ habe ich intensiv die Frage von Transformation, Globalisierung und den daraus resultierenden multiplen Identitäten muslimischer Jugendlicher im ehemals sowjetischen Zentralasien behandelt. Das neue Projekt zur Umsetzung der zarischen Rechtsreformen, das ich am Beispiel des multireligiösen Kazan, heute Hauptstadt der autonomen Republik Tatarstan, untersuche, spannt nun den Bogen von der post- in die prä-sowjetische Zeit. Es beleuchtet hierbei wie zuvor die Dissertation die vielschichtigen Identitäten und Loyalitäten von Muslimen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion.

 
  • Preise und Stipendien

- Mai 2004: Committee for Central and Inner Asia, Universität Cambridge, externes Reise- und Forschungsstipendium

- Aug 2003: School of Oriental and African Studies, London: Forschungsstipendium (Research Student Fellowship) verliehen für 3 Jahre

- Mai 2001: Trinity College Dublin: Julian Kamensky Preis für Gesprochenes Russisch

- Mai 1999: Trinity College Dublin: Vollstipendium für 5 Jahre

 

  • Lehrtätigkeit (ab WS 2009/10)

- Russland und seine Muslime: Integration und Konflikt im Zarenreich und der Sowjetunion (Geschichte Bachelor/Master B-04; M-01)

- Umbruch und Alltag in Zentralasien: Zwischen Sowjeterbe, Transformation und Globalisierung (Modul Gesellschaft/Transformation für B.A. Regionalstudien Asien/Afrika)

 

  • Sonstige Tätigkeiten

- Jan 2007 – Aug 2008: Umělec Magazin für Kunst und Kultur (erscheint viersprachig), verantwortlicher Redakteur für die deutsche Ausgabe

- Nov 2004 - Juli 2005: Kirgisisch-Usbekische Universität, Osch, Kirgisische Republik, Betreuer des örtlichen SIFE („Students in Free Enterprise“) Teams: Ausarbeitung und Durchführung von Projektpräsentationen in Kooperation mit Studenten

- Sept 2004 - Juli 2005: Staatliche Universität von Osch, Kirgisische Republik, Gastdozent in Englisch, Deutsch sowie Grundlagen der sozialwissenschaftlichen Forschung und Methodik (Abendkurse; unterrichtet auf Englisch und Russisch)

- Juli 2003 - Sept 2003: Praktikum beim UN Entwicklungsprogramm (UNDP), Bischkek, Kirgisische Republik:Fertigstellung von Projektdokumenten; Konzeption und Durchführung von Präsentationen; Kommunikation mit staatlichen Organen; Sonderprojekt: Schulung des Personals der kirgisischen Menschenrechtsbehörde

- Aug 2002 - Sept 2003: Staatliches Institut für Fremdsprachen, Samarkand, Usbekistan, Gastdozent

- Juli 2001 - Aug 2001: Praktikum bei Cablevisión, Quito, Ekuador (Nachrichtensender):Recherche, Durchführung von Interviews, Erstellen von Reportagen

  
  • Konsultationsarbeit für Oxford Analytica (veröffentlicht im Russia/CIS Daily Brief)

- Kyrgyzstan: Southern discontent poses major challenges, 29. April 2005

- Kyrgyzstan: corruption unlikely to disappear soon, 22. Juni 2005

- Central Asia/US: soft rhetoric reveals policy dilemma, 20. Oktober 2005

 

  • Vorträge (Auswahl)

- At the ‘Marketplace for Styles and Identities’: Youth between Transition, Globalization and Youth Culture in Southern Kyrgyzstan,                               Oktober 2009, Konferenz der Central Eurasian Studies Society (CESS), University of Toronto, Kanada

- Looking North? Urban Youth Practices in a 'Southern' City, September 2009, Workshop „Urban Spaces: Caucasian Places. Transformations in Capital Cities”, Staatliche Universität Tiflis, Institut für Geschichte und Ethnologie, Georgien

- “Post-Soviet Muslims”: Multi-Dimensional Identities, April 2009, „Orient-Express“ Konferenz, Berliner Kolleg für Vergleichende Geschichte Europas

- The Students of Osh and the Colonization of the New Associative Sphere, Dezember 2008, „The Transnationalization of Central Asia“, Konferenz an der L’Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales, Paris

- Post-Soviet Youth in a Globalizing World, November 2006, Universität von St Andrews, Konferenz des Central Asian Research Network

- Re-Islamization among the Students of Osh (Kyrgyz Republic), Oktober 2005, Konferenz der Central Eurasian Studies Society, Universität Boston, USA

- Islamic Radicalism in Central Asia: Uzbekistan and Kyrgyzstan, Oktober 2003, Konferenz der Central Eurasian Studies Society, Universität Harvard, USA

 

  • Geplante Vorträge für 2010

- Muslime vor Gericht: Tatarische Bauern und Russisches Recht, Januar 2010, Humboldt-Universität zu Berlin, Kolloquium des Lehrstuhls Geschichte Osteuropas



Publikationen

Monographien und herausgegebene Schriften (Auswahl)

  • Stefan B. Kirmse: Exploring Youth: Transition, Globalization and Youth Culture in Southern Kyrgyzstan. 2010. (in Vorbereitung).   (mehr)

Artikel (Auswahl)

  • Leisure, Business and Fantasy Worlds: Exploring Donor-funded “Youth Spaces” in Southern Kyrgyzstan (2009) (mehr)
  • Buchrezension: Nethercott, Frances: Russian Legal Culture Before and After Communism. Criminal Justice, Politics and the Public Sphere. London 2007. (2009) (mehr)


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