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Sonderforschungsbereich 640: Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel
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Konzept

"Religion and Its Other. Secular and Sacral Concepts and Practices in Interaction"

  
Konzept:
 
Die Möglichkeit, das Religiöse und das Säkulare als getrennte Sphären zu denken, ist für die europäische Moderne konstitutiv. Auch wissenschaftliche Versuche einer universalistischen Definition von Religion und Säkularisierung sind häufig von den spezifischen Erfahrungen der europäischen Moderne und der Geschichte des Christentums geprägt. Bleiben diese Voraussetzungen in den analytischen Werkzeugen implizit, dann strukturieren sie als kulturell Unbewusstes auch das komparative Denken über heterogene Formen von Religion und Säkularität in einer zunehmend globalisierten Welt. Ausgestattet mit geschichts- oder kulturwissenschaftlicher Autorität etablieren solche Konzepte Zentren des Wissens und der Deutungsmacht, aus deren Perspektive andere Traditionen, Klassifikationen und Erfahrungen nur verzerrt oder eingeschränkt wahrgenommen werden können.
 
Der amerikanische Kultur- und Sozialanthropologe Talal Asad hat in den letzten zwei Jahrzehnten vielschichtige Rekonstruktionen der Genealogien von „Religion“ und „dem Säkularen“ in westlichen Wissenschaftstraditionen erarbeitet. Während in vielen Debatten gegenwärtig eher die Persistenz oder das Wiederaufflammen des Religiösen im Zentrum stehen und analytisches Interesse auf sich ziehen, schlägt Asad einen umgekehrten Weg vor. Über Genealogien der Herausbildung des Säkularen als Ideen- und Handlungskomplex, politische Formation und historische Verlaufsform sollen gleichzeitig die Voraussetzungen spezifischer Konzeptionen des Religiösen entschlüsselt werden.
 
Die Tagung „Religion und Ihr Anderes“ nimmt ihren Ausgangspunkt von diesen konzeptionellen Überlegungen zu den Konstitutionsprozessen des Religiösen und des Säkularen als Objekten komparativ informierter Geschichts- und Kulturwissenschaften. Sie stellt die gegenseitige Durchdringung und das interaktive Verhältnis von Religion und Säkularität in einem historisch und kulturell breit gefächerten Spektrum unterschiedlicher Situationen und Konfigurationen in den Mittelpunkt ihres analytischen Interesses. Wie bilden sich Konzepte und Praxen des Säkularen und des Religiösen in antagonistischen oder affirmativen Verhältnissen und Relationen heraus? Auf welche Art und Weise werden die Grenzen zwischen Religion und Nicht-Religion aufgebaut, stabil gehalten und verteidigt oder modifiziert? Wie werden in solchen Prozessen Wahrheit und Deutungsautorität, wie werden Symmetrien und Asymmetrien der Macht generiert und ausgehandelt? Und was geschieht, wenn spezifische Konzepte des Säkularen und des Religiösen mobil werden, wenn sich religiöse und säkulare Selbstentwürfe in transnationalen scapes (Arjun Appadurai) und zunehmend globalisierten Räumen bewähren müssen und unterschiedliche Konzepte des Religiösen in immer schon politisch und sozial vorstrukturierten Konstellationen aufeinander treffen?
 
 
Concept:
 
The possibility to conceptualize “the religious” and “the secular” as two differentiated spheres of thought and experience is a constitutive element of Western European modernity. Universalizing definitions of religion and secularization are often shaped by this specific Western European development. If such presuppositions remain implicit in the analytical instruments, they - as culturally unconscious components – also structure the comparative thinking about heterogeneous forms of religion and secularity in an increasingly globalized world. Endowed with the authority of university-based historical sciences or cultural studies, such unchallenged concepts establish centres of knowledge and interpretation which only allow for distorted and restricted perspectives on differing traditions, classifications and experiences.
 
Over the last two decades, the American cultural and social anthropologist Talal Asad has developed complex reconstructions of the genealogies of “religion” and “the secular” in Western academic traditions. Whereas many contemporary debates focus on the persistency or the re-emergence of the religious, Talal Asad (who will deliver the keynote address to this conference) proposes a converse approach: Genealogies of the emergence of the secular as specific complex of ideas and actions, as political formation and historical process are used to decipher the prerequisites of concepts of the religious.
 
The conference “Religion and Its Other” takes these conceptual reflections on the constitutional processes of the religious and the secular as its starting point. The analytical interest of the conference lies in the mutual permeation and the interactive relationship of religion and secularity in a historically as well as culturally wide range of different situations and configurations. How do concepts and practices of the secular and the religious emerge in antagonistic or affirmative relation to each other? In which ways are the boundaries between religion and secularity being defined, established, consolidated or transformed? How is the truth or rather how is the authority of interpretation, how are symmetries and asymmetries of power generated and negotiated? What happens when specific concepts of the secular and the religious get transferred from their original to new contexts? And when religious and secular self-conceptions have to prove themselves in transnational scapes (Arjun Appadurai) and increasingly globalized spaces?
 
 

 

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